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Ein Fall, viele Fragen – jedenfalls kein gerechtes Urteil über Baden-Baden ⚖️

Sabine Rückert, Gerichts- und Kriminalreporterin, ist für ihre klare Sprache und pointierten Analysen bekannt. Als Mitherausgeberin des Magazins und Podcasts DIE ZEIT Verbrechen hat sie sich jüngst auch mit einem Fall befasst, der weit über Baden-Baden hinaus Aufmerksamkeit erregt hat.

Im Mittelpunkt steht ein Verfahren aus dem Gerichtsbezirk Baden-Baden: ein unter großer öffentlicher Beobachtung geführter Vergewaltigungsprozess gegen Franz Burda. Über drei Podcast-Folgen hinweg schildert Frau Rückert ihre Sicht auf das Verfahren – beziehungsweise auf das, was ihr davon zugänglich war und von dem Sie berichten wollte.

Bereits in der ersten Folge wird deutlich, dass ihre Darstellung stark von der Perspektive der mutmaßlich Geschädigten geprägt ist. Das mag journalistisch legitim sein. Gleichwohl ist im gesamten Beitrag aus unserer Sicht kein ausgewogenes Bild des Verfahrens entstanden. Sollte es vielleicht auch nicht entstehen?

Was Sabine Rückert in anderen prominenten Fällen (z.B. der Vergewaltigungsprozess Kachelmann) durch ausgewogene und exakte journalistische Arbeit in der Vergangenheit gelungen ist, ist in diesem Fall gescheitert: Die Darstellung wirkt einseitig, wertend und in Teilen vorschnell. Hierzu ist der Leser und Hörer angehalten, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen (https://lnkd.in/ecuYhJSY).

Über die „Provinz“ Baden-Baden lässt sie jedenfalls kaum ein gutes Wort. Baden-Baden sei „Burdaland“, eine „angestaubte Stadt“, und „alles blättere schon ein bisschen“. Das Städtchen sei nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Das Amts-/ Landgericht sowie die Polizeidirektion in Baden-Baden seien „hässlich“ oder „furchtbar“, das Gericht ein „Provinzgericht“.
Die Polizei, die Staatsanwaltschaft und das Gericht nennt Sie „provinziell“.
Der Anwalt und Kollege, der Herrn Burda verteidigte, wäre ein „Lokalmatador“. Sie habe den Eindruck eines „riesigen Freiluftaltersheims“ und meint: „In Hamburg wäre das alles anders gelaufen, da bin ich mir sicher.“

Diese Zuspitzungen halten wir für unangebracht und tendenziös. Als im Baden-Badener Umland regional verwurzelte Kanzlei, die in dem Verfahren nicht beteiligt war, haben wir das dringende Bedürfnis diesen Darstellungen über die Stadt Baden-Baden,über die Baden-Badener Justiz und über die handelnden Personen zu widersprechen. Baden-Baden mag zwar nicht großstädtisch sein, ist aber sicher kein Burdaland. Es ist auch kein riesiges Freiluftaltersheim, sondern eine Region zum Gernhaben.

Frau Rückert laden wir herzlich ein, Baden-Baden noch einmal neu kennenzulernen – gern auch bei einer Stadtführung durch einen „Lokalmatador“ … 🤭